Dienstag, 21. April 2020

Sicherung des Fachkräftebedarfs durch Ausweitung des Home-Office

Eine Lösungsmöglichkeit für den deutschen Mittelstand?

Björn Wehling, Geschäftsführer, Finanz Colloquium Heidelberg GmbH

 

Der Fachkräftemangel in Deutschland wurde lange vorausgesagt und ist mittlerweile in fast allen mittelständischen Unternehmen angekommen. Positionen für spezialisierte Fachmitarbeiter bleiben oft unbesetzt, da geeignete Kandidatinnen und Kandidaten nicht gefunden werden können. Aber auch für Ausbildungsplätze, die das Nachrücken in Fachkräftepositionen sichern sollen, können sich oft keine geeigneten Bewerber finden. 

 

Wo liegen die Ursachen des Fachkräftemangels?

 

Die Ursachen des Fachkräftemangels sind vielfältig. Einerseits hat sich durch die stetig steigende Anzahl der Abiturienten die Anzahl der potenziellen Bewerber um Ausbildungsplätze – die in der Regel eher aus den Real- und Hauptschulen kommen – verringert. Andererseits sind die Lohnerwartungen und Lohnentwicklungen oft eher unattraktiv. Die Einstiegsgehälter für ungelernte Kräfte sind – zumindest auf den ersten Blick – attraktiver als ein Ausbildungsgehalt mit damit einhergehenden weiteren (Berufs-)Schuljahren. 

Eine der wesentlichsten Ursachen für den Fachkräftemangel aber ist aus meiner Sicht, dass sich der Mittelstand oft nur aus den lokal verfügbaren Kräften bedienen kann. Die wenigsten Leute sind bereit, dauerhaft mehr als 100 Kilometer zu ihrer Ausbildungs- oder Arbeitsstätte zu fahren. Das schränkt die Anzahl der potenziell verfügbaren Fachmitarbeiter und Auszubildenden bereits stark ein.

 

BERATUNGSTIPP

Quick-Check Datenschutz.

 



Dezentrale Mitarbeiterstrukturen – Digitalisierung als Lösung des Fachkräftemangels?

 

Die Corona-Krise zeigt es aktuell deutlich: Home-Office und mobiles Arbeiten sind doch möglich. Viele Arbeitsplätze, bei denen sich die Führungskräfte bisher strikt geweigert hatten Home-Office-Regelungen anzubieten, weil „man diese Tätigkeiten nicht nach Hause verlegen kann“, konnten jetzt doch mehr oder weniger unkompliziert ins Home-Office verlagert werden. Laptop, VPN-Zugang, Telefonweiterleitung – fertig. Viele Mittelständler haben erkannt, dass dies auch ganz neue Chancen bietet, auch über die Corona-Krise hinaus Unternehmensstrukturen umzugestalten, um den Mitarbeitern, aber auch den Unternehmen selbst mehr Flexibilität zu gewährleisten (zumindest, sobald die externe Kinderbetreuung wieder sichergestellt werden kann 😊).

Und das Gute am Home-Office ist: Es ist egal, wo das „Home“ ist. Die Mitarbeiter können von überall auf die Systeme zugreifen, sich telefonisch oder per Video-Konferenz mit den Kolleginnen und Kollegen austauschen und bräuchten auch künftig nur für ausgewählte Termine ins Büro kommen. Aus der Erfahrung bei uns im Unternehmen kann ich sagen, dass es kein Problem darstellt, dass einzelne Mitarbeiter in Köln, Berlin, Stuttgart oder sogar in Österreich wohnen und daher nur selten im Büro in Heidelberg sind.

 

Bezogen auf die Suche nach Fachkräften wäre es sicher eine Möglichkeit, nach der Ausbildung/Probezeit eine umfangreiche Home-Office-Regelung anzubieten, um auch für Fachkräfte „außerhalb der Region“ attraktiv zu sein. Eine Ausbildung im Home-Office ist sicherlich gänzlich nicht darstellbar in vielen mittelständischen Berufen, aber zumindest für die Berufsschulzeiten und für externe Weiterbildungen sollten sich passende Lösungen finden lassen.

 

 

PRAXISTIPPS

  • Prüfen Sie, welche Tätigkeiten sich in der Corona-Krise aus dem Home-Office heraus bewährt haben und unkompliziert ohne Produktivitäts- und Informationsverluste weiter im Home-Office erfolgen können.
  • Schreiben Sie solche Fachstellen überregional aus und weisen Sie explizit darauf hin, dass die Tätigkeit nach der Probezeit zu einem Großteil im Home-Office stattfinden kann. Weisen Sie ebenfalls darauf hin, dass Sie sich bei Auszubildenden, die Sie überregional ansprechen, dafür einsetzen, dass die Berufsschulausbildung an einer Berufsschule in der Nähe des Wohnorts stattfinden kann und dass externe Weiterbildungen und Schulungen nach Möglichkeit online erfolgen.
  • Prüfen Sie, welche Tätigkeiten, die im Home-Office erfolgen können und für die Sie keine Fachkräfte finden, ggf. durch Fachkräfte aus dem Ausland grundsätzlich dargestellt werden können.
  • Überlegen Sie, ob Stellen, für die Sie bisher keinen geeigneten Fachmitarbeiter gefunden haben, ggf. ausgelagert werden können, wenn das Auslagerungsunternehmen über die „Home-Office-Schnittstelle“ die Tätigkeit des Fachmitarbeiters erledigen kann.

Beitragsnummer: 6477

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