Prof. Dr. Brigitte Zürn, Geschäftsführer, Dr. Horn Unternehmensberatung GmbH
Was waren aus Ihrer Sicht die Meilensteine Ihrer Karriere und wie kam es zu den Meilensteinen?
Das Wichtigste für mich ist, egal in welchem Beruf oder welcher Laufbahn, die Offenheit und das Interesse an neuen Themen. Mein Lebenslauf war von mir nicht von vorne hinein durchgeplant, sondern er hat sich ergeben, es hat sich alles gefügt.
Es begann in meinem Betriebswirtschaftsstudium, dass mir ein Praxisprojekt mit Siemens angeboten wurde, das mich interessiert hat. Aus dem Projekt wurde ein Produkt, das den deutschen Hochschulsoftwarepreis gewonnen hatte. Außerdem konnte ich das Thema in meiner Diplomarbeit und später sogar zur Doktorarbeit ausweiten und mit der Führung einer Projektgruppe von rd. 20 Mitarbeitern erste Erfahrungen mit Projektmanagement und Mitarbeiterführung sammeln.
Pünktlich zum Ende meines Studiums (in Bamberg) 1990 waren die Grenzen nach Ostdeutschland offen und mein Bamberger Professor fragte mich, ob ich mich für Projekte auch an den Universitäten Leipzig und Dresden begeistern könnte – das konnte ich sehr gut. Es waren vier lehrreiche Jahre mit einer nach der Anfangsphase aufgeteilten Woche von drei Tagen in Dresden und vier Tagen in Bamberg. Spannend war dabei auch die ehrenamtliche Tätigkeit in der Berufungskommission der neuen wirtschaftswissenschaftlichen Studiengänge an der TU Dresden.
Nach Abschluss der Promotion stellte sich dann die Frage, in der Wissenschaft zu bleiben oder in die Praxis zu gehen. Ich entschied mich für die Praxis und begann in der Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung als Assistentin. Dort ereilte mich der Praxisschock, zunächst mit dem an der Uni erworbenen Wissen noch lange keine Steuererklärung erstellen zu können. Trotzdem blieb ich und habe mich durchgebissen, mit Erfolg:
1996: Steuerberater
1998: Wirtschaftsprüfer
Tätig bis heute als Gesellschafter-Geschäftsführerin in einer mittelständischen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Ulm. Ich habe die Berufswahl nie bereut und liebe die Tätigkeit als Beraterin im Mittelstand.
Sonstige Tätigkeiten/Ämter:
2006: Ernennung als Honorarprofessorin für Steuerrecht an der Universität Ulm mit einem Lehrdeputat von zwei Semesterwochenstunden je Semester.
2007 bis 2013: Aufsichtsratsvorsitzende einer börsennotierten mittelständischen Gesellschaft
An welchem Punkt Ihrer Laufbahn wussten Sie, dass Sie als Aufsichtsrätin eine Bank unterstützen möchten?
Tatsächlich bin ich nicht selber auf die Idee gekommen, ich wurde aufgrund meiner Tätigkeit als Wirtschaftsprüferin gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Aufsichtsratsmitglied zu werden. Da mich Neues immer reizt, habe ich die Aufgabe gerne angenommen und musste als erstes feststellen, dass ich vieles Lernen musste. Insbesondere die regulatorischen Vorgaben im Tätigkeitsbereich der Banken, die eigene Begriffswelt und eine vollkommen andere Gliederung der Bilanz. Hierbei habe ich immer noch nicht ausgelernt, aber es ist nach wie vor spannend.
Was sind die Themen, mit denen Sie sich aktuell am meisten beschäftigen?
Personeller Nachwuchs, Mitarbeiterführung und -begeisterung
Digitalisierung in der täglichen Arbeit, Einsatz von KI
Umgang mit der Bürokratie
Nachhaltigkeitsberichterstattung und -prüfung
M&A-Projekte bei mittelständischen Mandanten
Was möchten Sie angehenden weiblichen Führungskräften in Banken gerne mit auf den Weg geben?
Mut zum „Machen“, sich nicht verbiegen lassen, sondern den eigenen Weg gehen und die eigenen Werte leben. Dabei aber offen und anpassungsfähig sein, gerne neue Aufgaben übernehmen und sich fordern und fördern lassen. Mutig sein, etwas auch mal anders zu machen. Außerdem selbstbewusst sein, ohne das Vermögen zur Selbstkritik zu verlieren, aber ohne zu strenge Selbstkritik. Mit Spaß und Freude seine Arbeit tun, den Beruf als Berufung verstehen.
Beitragsnummer: 22727