Dienstag, 16. Januar 2024

Kryptowährungen und Kryptowertpapiere in der Bank

Fokus Risk

Tim Zölitz, CRO/CFO, Crypto Risk Metrics

 

FCH: Herr Zölitz, immer mehr große Banken wollen ihren Kunden Investitionen in Kryptowährungen ermöglichen, in den USA stehen Bitcoin-ETFs kurz vor der Zulassung und Siemens hat einen Bonds auf einer Blockchain begeben. Wird 2024 das „Durchbruchsjahr“ für Kryptowährungen in der klassischen Finanzindustrie?

Tim Zölitz: Die Entwicklungen sind in der Tat beeindruckend und es spricht einiges dafür, dass 2024 und 2025 die „Durchbruchsjahre“ für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und weitere werden. Bei Wertpapieren auf Blockchain-Infrastrukturen bin ich skeptischer, da es hier an vielen Fällen noch an Marktinfrastruktur mangelt.

 

FCH: Gesetzt dem Fall, eine Bank hat die Entscheidung getroffen, ihren Endkunden Investitionen in Kryptowährungen ermöglichen zu wollen – was muss beachtet bzw. müssen bestimmte Vorkehrungen getroffen werden?

Tim Zölitz: Zunächst muss die Bank die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen schaffen. Durch die MiCAR-Regulierung wird es hier für klassische, bereits regulierte Unternehmen deutlich einfacher, da diese Kryptowertedienstleistungen ohne neuen Lizenzantrag werden erbringen dürfen. Gerade Deutschland nahm mit seiner Kryptoverwahrlizenz an dieser Stelle bisher eine regulatorische Sonderrolle ein. Nebenbei eine, die wir sehr begrüßen.

 

FCH: Das ist interessant. Normalerweise wird immer über die überbordende Regulierung in Deutschland „geschimpft“.

Tim Zölitz: Das stimmt und auch ich folge den regulatorischen Vorgaben nicht immer zu 100 %. Allerdings hat es schon seine Gründe, dass ein FTX (Anm. d. Redaktion: Skandal im Zusammenhang mit der FTX-Krypto-Börse) nicht hier in Deutschland stattgefunden hat. Hier hat die Aufsicht einen guten Job gemacht.

 

FCH: Wo sehen Sie die Stolpersteine bzw. relevanten Themen, die Banken bei dem Handeln mit Kryptowährungen beachten müssen?

Tim Zölitz: Etablierte und regulierte Handelsplätze sind wichtig, lizensierte Verwahrstellen und diesbezügliche Infrastruktur ebenfalls – das ist alles aber schon mehr oder weniger gelöst. Erstaunlich blank – und das hat FTX eindrucksvoll aufgezeigt – sind viele Marktteilnehmer allerdings beim Thema Risikomanagement, weshalb wir auch genau an dieser Stelle unsere Nische gefunden haben. Die ganzen Möglichkeiten, die On-Chain-Daten, also Daten, die direkt dem öffentlichen Kassenbuch entnommen werden können, werden beispielsweise noch viel zu wenig genutzt und bieten wunderbare Möglichkeiten, um die Risiken besser zu managen. Mehrere Privat- und Depotbanken aber auch KVGen setzen mittlerweile auf unsere IDW PS 951 zertifizierte Lösung und wir merken auch, dass das Thema bei den großen Häusern zunehmend ankommt. So gab es kürzlich beispielsweise Berichte über die DZ Bank, die ihren Kunden Kryptowerte anbieten wird. Und mit den jüngsten Genehmigungen der ETFs gehen wir auch davon aus, dass sich immer weniger Finanzmarktteilnehmer gegen das Thema „wehren“ können. Und dann ist es vor dem Hintergrund von Haftungsthemen für Vorstände, Geschäftsleiter und Risikofunktionen nicht überraschend, dass unser Produkt immer stärker nachgefragt wird.  

 

FCH: Vielen Dank, Herr Zölitz. Bevor wir zum Ende kommen, könnten Sie abschließend einen Ausblick darauf geben, welche Entwicklungen und Trends Sie in den kommenden Jahren in diesem Bereich erwarten?

Tim Zölitz: Ich gehe davon aus, dass das Thema Blockchain für die Abwicklung von Finanzmarkttransaktionen in immer mehr Häusern ankommen und auch ernst genommen werden wird. Aufgrund der weitestgehend noch fehlenden Infrastruktur wird es hier allerdings noch länger dauern, bis wir wirklich skalierende Anwendungen sehen werden. Bei Kryptowerten wie bspw. Bitcoin und Ethereum ist das nicht der Fall – hier sind die skalierenden Geschäftsmodelle bereits da und liegen für traditionelle Finanzmarktteilnehmer auf der Hand. Wir gehen an dieser Stelle davon aus, dass mit immer mehr Wissen in den Häusern auch die Adoption sehr schnell steigen wird.

 

FCH: Das sind spannende Perspektiven. Wir danken Ihnen, Herr Zölitz, für Ihre Zeit und Ihr Fachwissen.


Beitragsnummer: 22436

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