Donnerstag, 20. April 2023

Risikomanagement durch alternative Finanzierung

Fälle wie die Credit Suisse zwingen Kreditgeber zur Vorsicht, während KMU dringend Liquidität benötigen - Alternative Ansätze können hier einen Ausweg bieten

Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter Maturus Finance GmbH

 

Der Finanzsektor war mit guten Aussichten in das neue Jahr gestartet. So stieg etwa der CFS-Index des Centers for Financial Studies nach langem Abwärtstrend im vierten Quartal 2022 erstmals wieder an (https://gfk-cfs.de/media/PM-CFS-Index-Q1-2023_dtsch_Standardfragen.pdf). Grund für diese Aufhellung waren vor allem die Kreditinstitute, die im vierten Quartal ein Umsatz- und Ertragswachstum verzeichnen konnten. Und auch für das erste Quartal 2023 rechneten die Häuser mit verstärkten Umsätzen und Erträgen. Es deutete sich eine insgesamt positive Entwicklung für das Jahr an, doch dann kam die Pleite der Silicon Valley Bank. Die Erschütterungen erreichten kurze Zeit später die Credit Suisse, die durch einen kurzfristigen Verkauf und Staatsbürgschaften in Milliardenhöhe gerettet werden musste. In der Folge gerieten die Aktien vieler europäischer Banken unter Druck. Der Kurs großer deutscher Geldhäuser brach kurzzeitig um bis zu 15 Prozent ein. Seither befindet sich die Bankenlandschaft in Alarmbereitschaft.

 

Droht eine Kreditklemme?

Viele Häuser dürften angesichts der Verwerfungen mit nochmals erhöhter Vorsicht bei der Kreditvergabe agieren. Zumal auch die Bankenaufsicht der EZB die Kreditinstitute im Rahmen ihres Jahresberichts zu vermehrter Aufmerksamkeit aufgerufen hat (https://www.bankingsupervision.europa.eu/press/publications/annual-report/html/ssm.ar2022~e4b57f3b89.de.html).

Manche Beobachter rechnen bereits mit einer Kreditklemme. Ob es tatsächlich zu einem solchen „Credit Crunch“ kommen wird, ist derzeit nicht absehbar. Fakt ist jedoch, dass Banken ihre Kreditpolitik bei Unternehmenskrediten bereits in den letzten Monaten aufgrund der eingetrübten Wirtschaftslage und der strengen regulatorischen Vorgaben immer restriktiver gestalten mussten. Das zeigt etwa der Bank Lending Survey des Eurosystems (https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/januar-ergebnisse-der-umfrage-zum-kreditgeschaeft-bank-lending-survey-in-deutschland-670052).

Hiernach legten die befragten Banken im vierten Quartal 2022 strengere Vergaberichtlinien an und auch die Kreditbedingungen wurden restriktiver. Insgesamt verschärften sich die Kreditrichtlinien im zweiten Halbjahr 2022 in fast allen Wirtschaftsbereichen; besonders aber für das verarbeitende Gewerbe, energieintensive Bereiche und den Immobiliensektor. Die KfW-ifo-Kredithürde zeigt die Auswirkungen dieses erhöhten Risikomanagements für den Mittelstand: Mehr als 31 Prozent der befragten KMU beschreiben das Verhalten ihrer Bank in Kreditverhandlungen aktuell als „restriktiv“ (https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_748800.html).

 

Alternative Ansätze bieten Sicherheit

Die Zurückhaltung der Banken ist angesichts der Turbulenzen mehr als verständlich. Doch andererseits steht auch die mittelständische Wirtschaft vor immensen Herausforderungen. Die andauernde Energiekrise und Inflation, die Absicherung der Lieferketten, der digitale Wandel und die Anforderungen der Energiewende verlangen massive finanzielle Anstrengungen. Wenn ein KMU inhouse nicht bedient werden kann, gibt es dabei einen Lösungsansatz: Der Bankberater kann seinen Kunden auf einen Partner aus der alternativen Finanzierung verweisen. Dadurch verschafft er dem Unternehmen eine Perspektive, hält zugleich die Kundenbeziehung aufrecht und kann durch eine Provision Umsatz generieren, ohne die eigene Bilanz zu belasten. In wirtschaftlich angespannten Zeiten haben sich besonders die Asset Based Finance-Modelle bewährt. Ansätze wie Sale & Lease Back oder Asset Based Credit greifen unabhängig der Bonität eines Unternehmens und sie bieten Lösungen innerhalb weniger Wochen.

 

Sale & Lease Back nutzt mobiles Anlagevermögen

Die reine Innenfinanzierung richtet sich an maschinenreiche Mittelständler. Ein KMU verkauft bei einem Sale & Lease Back (SLB) seinen werthaltigen, mobilen und fungiblen Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrpark und mietet ihn direkt wieder zurück. Dadurch wird meist Liquidität in erheblichem Umfang frei. Oft können auch stille Reserven gehoben werden. Durch SLB steht ein Mittel zur Überbrückung von Umsatzflauten, für Investitionen oder für Nachfolgen bereit. Durch Bonitätsunabhängigkeit und Geschwindigkeit ist SLB insbesondere auch für Sanierungsfälle geeignet. In der Regel dauert es von der ersten Anfrage bis zur finalen Auszahlung des Kaufpreises drei bis sechs Wochen. Bei SLB liegt das Finanzierungsvolumen in der Regel zwischen 400.000 und 15 Millionen Euro. In Einzelfällen kann es auch darüber hinausgehen.

 

Asset Based Credit – Anlage- und Umlaufvermögen als Sicherheit

Diese objektbasierten Spezialkredite bieten Produzenten, Händlern, Dienstleistern und Start-ups die Möglichkeit, auf sämtliche im Betrieb verfügbare Assets als Sicherheiten zurückzugreifen: Bei einem Asset Based Credit können neben Anlagevermögen wie Maschinen auch das Umlaufvermögen aus dem Fertig- und Handelswarenlager sowie Sachwerte oder Immobilien besichert werden. Die verfügbare Liquidität unterstützt Unternehmen in der Auftragsvorfinanzierung oder bei Einkäufen. Darüber hinaus sind auch Restrukturierungen, gerichtliche Sanierungen und Transformationsprojekte damit finanzierbar. Die Kreditsummen liegen zwischen 250.000 und fünf Millionen Euro; die Laufzeiten sind im kurz- bis mittelfristigen Bereich angesiedelt.

 

PRAXISTIPPS 

  • Angesichts der unsicheren Situation und der Empfehlung der EZB sind erhöhte Vorsicht und stärkeres Risikomanagement angebracht.
  • Anderseits müssen Wirtschaftlichkeit und langfristige Kundenbeziehungen berücksichtigt werden.
  • Der Rückgriff auf Partner aus der alternativen Finanzierung kann hier eine Brücke zwischen Risikominimierung und Kundenbindung schlagen. 

Beitragsnummer: 22104

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