Freitag, 7. Oktober 2022

Die Hausbankbeziehung in wirtschaftlichen Krisensituationen

Die Hausbankbeziehung in wirtschaftlichen Krisensituationen am Beispiel von Covid-19

Frederik Haas, Leiter Gewerbekunden & Freie Berufe, Volksbank Kurpfalz eG

Sei es die Covid-19-Pandemie, geopolitische Konflikte, Inflation oder Disruption in kurzfristiger Vergangenheit sind eine Vielzahl an externen Faktoren zu beobachten, die punktuell zu wirtschaftlichen Krisensituationen führen können. In solchen Situationen ist die Sicherung der Liquidität die höchste Priorität für die betroffenen Unternehmen. Um dies zu erreichen, kann die Hausbankbeziehung vorteilhaft sein. In folgendem Beitrag wird einerseits die Hausbankbeziehung als theoretisches Modell der Geschäftsbeziehung erläutert als auch die spürbaren Vorteile dieser in der Krise benannt. Abschließend werden Praxistipps an Banken formuliert, mit Fokus auf die Prävention von Krisen.  

Die prägnanten Merkmale einer Hausbankbeziehung

Der Begriff Hausbankbeziehung umschreibt eine Form der Geschäftsbeziehung zwischen einem Kreditinstitut und einem Unternehmen. Dabei ist der Begriff der Hausbankbeziehung weder eindeutig definierbar noch objektiv und rational bewertbar. Die Wissenschaft beschreibt die Hausbankbeziehung anhand drei Merkmalen und drei, daraus resultierenden Vorteilen. Das erste Merkmal ist die langfristige Perspektive der Geschäftsbeziehung. Hierbei wird nicht nur der Blick in die Vergangenheit geworfen, sondern insbesondere der Blick in die Zukunft. Was entsprechend bedeutet, dass beide Parteien langfristig zusammenarbeiten wollen. Das zweite Merkmal stellt der Informationszugang dar. In einer Hausbankbeziehung besteht ein stetiger beidseitiger Austausch von Informationen. So hat insbesondere das Kreditinstitut Zugang zu historischen, aktuellen und zukunftsgerichteten Informationen des Unternehmens. Der Informationszugang erfolgt dabei immer vollumfassend und nicht nur punktuell. Das dritte und wohl prägnanteste Merkmal ist die Exklusivität der Geschäftsbeziehung. Dieses Merkmal erkennt man daran, dass ein Unternehmen den Großteil seiner Finanzdienstleistungen von einem Kreditinstitut bezieht. So stellt die Hausbank insbesondere den größten Anteil der Kreditfinanzierungen zur Verfügung. Aus der Exklusivität entsteht eine beidseitige Abhängigkeit. Die Hausbank hat aufgrund des größten Anteils des Kreditengagements auch das größte Risiko zu tragen und ist dementsprechend auch darauf angewiesen, dass die Firma sich positiv entwickelt. Das Unternehmen hingegen stellt der Hausbank die meisten Kreditsicherheiten, weshalb andere Kreditinstitute in der Regel nur Nachrangdarlehen vergeben können und das Unternehmen damit eine geschwächte Verhandlungsposition hat.

Aus den drei aufgeführten Merkmalen resultieren drei Vorteile, die sich aus dem Zusammenspiel der drei Merkmale ergeben. Der erste Vorteil ist der Informationsvorteil. Aufgrund der langfristigen Perspektive, dem gegebenen Informationszugang und der Exklusivität der Beziehung hat die Hausbank immer einen Informationsvorteil gegenüber anderen Wettbewerbern. Keine andere Bank kennt das Unternehmen besser als die Hausbank. Ein zweiter, daraus resultierender Vorteil ist, dass durch die gesammelten Informationen und Erfahrungen sowohl die Hausbank als auch das Unternehmen Wissen aufbauen und lernen können. So können die gesammelten Informationen strukturiert und in einen Kontext gesetzt werden und es entsteht „Wissen“. Der zentrale Vorteil einer Hausbankbeziehung liegt in der Liquiditätssicherungsfunktion, die auch Regenschirmfunktion genannt wird. Bildlich gesprochen, umschreibt dies die Tatsache, dass die Hausbank auch dann den Regenschirm aufspannt, wenn es regnet. Also auch dann das Unternehmen unterstützt, wenn es in finanzielle Schwierigkeiten gerät. 

Spürbare Mehrwerte in der Krise

Krisensituationen können auch als negative Extremsituationen beschrieben werden. So sind wirtschaftliche Krisensituationen nichts anderes als extrem negative wirtschaftliche Entwicklungen. Durch die Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen gesellschaftlichen Einschnitten, haben ganze Branchen (Bsp. Gastronomie, Freizeit, Tourismus) einen nahezu kompletten Umsatzverlust erlebt. Dies führte für einige Unternehmen zu existenzbedrohlichen finanziellen Schwierigkeiten. Aus diesem Grund entsteht ein dringlicher Finanzierungbedarf. Allerdings stellt sich in einer solchen negativen Extremsituation des Unternehmens die Frage, welches Kreditinstitut genau in dieser Phase Finanzierungen darstellen möchte und ein neues Risiko eingeht. Im Zusammenhang mit der oben dargestellten Definition der Hausbankbeziehung können in einer Krise folgende Vorteile identifiziert werden: 

  • Banken erhöhen die Restriktionen der Kreditvergabe in Krisen deutlich. Unternehmen ohne Hausbank kommen nur sehr schwer an Finanzierungen.
  • Kreditinstitute zeigen in Krisensituationen bei Hausbankkunden eine erheblich höhere Bereitschaft dazu, Risiken einzugehen, um die Liquidität zu sichern. 
  • Aufgrund der gegebenen Unsicherheiten in Krisensituationen helfen die vorhandenen Informationen, um schneller Kreditentscheidungen zu treffen (ca. 74 % der befragten Firmenkundenbanker empfinden eine Kreditentscheidung hier als deutlich leichter). 
  • Das bestehende Wissen und die Erfahrungen der Hausbank mit dem Kunden erleichtert das Verständnis des Krisenmanagements und der daraus resultierenden Maßnahmen des Unternehmens. 
  • Der uneingeschränkte Informationszugang lässt eine adäquate Risikobewertung beim Neukreditgeschäft zu. Zudem ist die Glaubwürdigkeit der Informationen spürbar erhöht.
  • In der Krise kristallisiert sich heraus, welche Geschäftsbeziehungen auch Hausbankbeziehungen sind.

PRAXISTIPPS

  • Klären Sie frühzeitig den Beziehungsstatus mit Ihrem Kunden: Hausbank Ja oder Nein?
  • Überlegen Sie sich gut, mit welchem Unternehmen Sie wirklich eine richtige Hausbankbeziehung eingehen möchten. 
  • Investieren Sie in die Beziehung und fordern das bei Ihren Kunden ebenfalls ein (Bsp. Konditionsverhandlungen o. ä.).
  • Fordern Sie die Exklusivität der Hausbankbeziehung von Ihren Kunden ein.
  • Kommunizieren Sie die Absicht der langfristigen Zusammenarbeit.
  • Schaffen Sie effiziente Schnittstellen für den Informationszugang zum Unternehmen (Steuerberatervollmachten, DiFin etc.).
  • Klären Sie mir Ihrem Kunden, wie Sie gemeinsam mit negativen Informationen/Vorkommnissen umgehen.
  • Tauschen Sie sich regelmäßig mit Ihrem Kunden über besondere unternehmerische Risiken aus, damit Sie die Liquiditätssicherungsfunktion auch in Krisenzeiten leisten können. 
  • Kommunizieren Sie Ihrem Kunden, dass Sie ihn auch in der Krise im Rahmen der Möglichkeiten unterstützen werden. 
  • Schaffen Sie in der Krise Transparenz über die interne Risikobewertung und Kreditentscheidung.

Beitragsnummer: 21817

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