Freitag, 25. Februar 2022

Status quo der Digitalisierung

Neue Studie offenbart die aktuelle Lage von deutschen Fintechs und ihre Perspektiven für die Zukunft

Jochen Boldt, Director of Sales, InterSystems

 

Die COVID-19-Pandemie stellt Unternehmen vieler Branchen vor große Herausforderungen und sorgt für teilweise immense Störungen von Geschäftsabläufen. Im Gegensatz dazu haben Fintechs in den letzten Jahren weiteren Aufwind erhalten. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 betrugen die weltweiten Investitionen in Fintechs insgesamt 98 Mrd. Dollar, was ein Rekordhoch darstellt. Im Jahr zuvor lagen die Investitionen in der gleichen Zeitspanne bei rund 87 Mrd. Dollar. Der anhaltende Erfolg basiert auf tiefgreifenden Veränderungen im Kundenverhalten: Viele Menschen gehen heute – häufig auch aufgrund der Pandemie – anders mit ihrem Geld um und nutzen neue, innovative Lösungen. Entsprechend erkennen auch etablierte Unternehmen der Branche nun deutlicher als je zuvor ihren Bedarf an Digitalisierung. Generell gelten Fintechs als innovativer und flexibler als konventionelle Wettbewerber, wovon nicht nur ihre direkten Endkunden, sondern auch Partner und angeschlossene Dienstleister erheblich profitieren. Gleichwohl stehen auch viele Fintechs vor großen technologischen Herausforderungen, gerade im Hinblick auf ihr Datenmanagement. Eine neue Studie im Auftrag von InterSystems beleuchtet den Stand der Digitalisierung in der Branche. Zugleich zeigt sie, wie Fintechs vorgehen können, um den Fortschritt effizient voranzutreiben. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter mehr als 500 Entscheidungsträgern von Fintechs aus zwölf Ländern, darunter auch aus Deutschland.

 

Weitreichende Datenprobleme

Für die Mehrheit (79 %) der deutschen Befragten stellen Datenprobleme zurzeit die größte technologische Herausforderung für Fintechs dar. Dabei geht es laut der Studie um zwei Aspekte. Einige Fintechs (49 %) nennen das Datenmanagement für Analysen und den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen als problematisch. Für 30 % gehört auch die Vernetzung mit den Anwendungen und Legacy-Systemen ihrer Kunden dazu. Darüber hinaus fällt 37 % der Fintechs die parallele Implementierung und Wartung mehrerer Technologien schwer. Mit Blick auf die weltweiten Zahlen scheint die IT-Sicherheit in Deutschland aber weitaus weniger im Fokus zu stehen. Im Vergleich ist sie nur für 26 % statt 40 % eine komplizierte Aufgabe.

Wie die Studie verdeutlicht, kämpfen Fintechs mit Anwendungs- und Datensilos und der IT-Integration. Deshalb können sie ihre vorhandenen Daten nicht effektiv nutzen – insbesondere dann, wenn sie aus ihnen relevante Erkenntnisse für fundierte Entscheidungen ziehen wollen. Ohne umfassenden Einblick in ihre Daten laufen Fintechs Gefahr, ihre Produkte und Dienstleitungen nicht an den Bedürfnissen des Marktes ausrichten und Innovationen nicht schnell genug umsetzen zu können. Zudem wird die Erfüllung von Gesetzen und Regularien, insbesondere die zeitnahe Berichterstattung an Aufsichtsbehörden, deutlich erschwert.

 

Kommende Prioritäten 

Trotz oder gerade aufgrund der technologischen Herausforderungen haben deutsche Fintechs ihre Zukunft fest im Blick und setzen sich in der Studie für 2022 klare Prioritäten, um sich weiterzuentwickeln und an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Für 33 % steht die Modernisierung der eigenen IT-Infrastruktur in den kommenden Monaten an erster Stelle. Etwa ein Drittel der Fintechs (31 %) will außerdem ihre IT-Sicherheit erhöhen, was alle Kunden besonders wertschätzen. Ebenso oft (31 %) geht es ihnen auch darum, neue Funktionen und Dienstleistungen einzuführen. Ganz zentral ist dabei immer die Customer Experience. Deren Verbesserung streben weitere 27 % an. 

 

Geplante Investitionen 

Damit die Fintechs ihre Ziele erreichen, benötigen sie tiefgreifende technologische Unterstützung. Folgerichtig planen fast alle Fintechs (83 %) aus Deutschland, in den nächsten zwölf Monaten neue Technologien einzuführen. Nach der Studie bedeutet das für 45 % jeweils eine Investition in das Konzept der Enterprise Data Fabric, die eine übergreifende Verknüpfung unterschiedlicher Datenquellen erlaubt. Dahinter folgen in der Rangliste unter anderem der Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen (41 %), die Blockchain (38 %) und weiteres Datenmanagement (36 %). Anders als ihre Kollegen in anderen Ländern wollen deutsche Vertreter der Branche aber seltener in die Cloud investieren (34 %). Weltweit nimmt dieses Vorhaben mit 51 % den ersten Platz ein. 

Die Einführung neuer Technologien bietet stets eine Reihe neuer Möglichkeiten. Jedoch sehen sich Fintechs hierzulande häufig mit schwer zu überwindenden internen Hindernissen konfrontiert. Die Mehrheit (54 %) der Entscheidungsträger stuft das Fachwissen und die Fähigkeiten innerhalb ihres Unternehmens als nicht ausreichend für die Aufgabe ein. Zudem vermissen viele (51 %) die notwendige Flexibilität in Bezug auf die bestehende IT-Infrastruktur.

 

Fintechs und die Cloud

Investitionen in die Cloud liegen in Deutschland weniger im Trend. Aber wie genau wird sie in dieser Hinsicht bereits genutzt? Von den für die Studie befragten deutschen Fintechs stellen einige (43 %) ihre Lösung in mehreren Public Clouds bereit und fast ein Viertel (24 %) bietet Anwendungen in einer Public Cloud. Andere vertrauen auf die Private Cloud (16 %) oder eine Hybrid-Lösung aus Cloud und On-Premise (14 %). Nur drei Prozent beschränken sich auf eine rein lokale Bereitstellung, was im klaren Gegensatz zu den weltweiten Zahlen steht. Insgesamt liefern nur ein Prozent aller Fintechs eine On-Premise-Lösung. Dies erklärt den ersten Platz der Cloud bei den weltweiten Investitionen. 

 

Beziehung zu Banken 

Mit einer modernen IT-Infrastruktur bringen sich Fintechs in eine perfekte Position für die Zusammenarbeit mit Banken. Laut der Studie glaubt die Mehrheit der deutschen Befragten an einen positiven Einfluss. Für 60 % wird durch sie die Zusammenarbeit in der Branche steigen. Zugleich gehen aber 49 % von einem stärkeren Wettbewerb aus. Wenn Banken die Produkte und Dienstleistungen von Fintechs nutzen, besteht aus der Sicht dieser der Vorteil vor allem in einer höheren Flexibilität und einer schnelleren Speed-to-Market (61 %). Bei der Zusammenarbeit mit Banken nimmt die Erfüllung von Gesetzen und Regularien eine entscheidende Rolle ein, weshalb das Datenmanagement von Fintechs stimmen muss.

 

Smart Data Fabric mit integrierten Funktionen

Viele Fintechs in Deutschland investieren in das Konzept der Enterprise Data Fabric, die mit einer modernen Datenplattform umgesetzt werden kann. Ziel ist es, das eigene Datenmanagement zu optimieren, indem über die neue Struktur alle historischen und aktuellen Daten in Echtzeit aus internen und externen Quellen zusammengeführt, bereinigt und harmonisiert werden. So entsteht eine zentrale Sicht auf alle Daten – eine Single Source of Truth, die umfassende Transparenz garantiert. Auch die Vernetzung mit den Anwendungen und Legacy-Systemen ihrer Kunden gelingt dadurch jederzeit, was die Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen erleichtert. 

Ein weiterer Pluspunkt der Enterprise Data Fabric liegt in ihrer einfachen und kostengünstigen Implementierung. Sie baut auf der bestehenden IT-Infrastruktur auf, weshalb Fintechs weiterhin einen Mehrwert aus früheren Investitionen ziehen können. Bereits vorhandene Technologien, Anwendungen und Dienstleistungen werden ohne Einschränkungen weitergenutzt. 

Durch integrierte Funktionen lässt sich das Konzept der Enterprise Data Fabric noch erweitern. Sie machen aus ihr eine Smart Data Fabric. Diese bietet zusätzlich eingebettete Funktionen für die Datenanalyse, den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen sowie die visuelle Darstellung der Ergebnisse in Dashboards für Business Intelligence. Mit diesen Funktionen können Fintechs und ihre Kunden in Echtzeit relevante Erkenntnisse gewinnen und nutzen.

 

Digitalisierung meistern

Durch die Implementierung einer Smart Data Fabric verschaffen sich Fintechs eine Vielzahl von Wettbewerbsvorteilen. U. a. können sie die Bedürfnisse ihrer Kunden besser erfüllen, ihre Flexibilität steigt und fördern die Innovation. Fintechs können dank der Verknüpfung aller Daten, der zentralen Sicht auf sie und den integrierten Funktionen für Analytics, KI und ML weitere Lösungen entwickeln, die ihre Kunden in die Lage versetzen, selbst neuen Ideen nachzugehen. Insgesamt schaffen es Fintechs durch die Smart Data Fabric, ihre Digitalisierung zu meistern und weiteren Erfolg in der Zukunft zu sichern.

 

PRAXISTIPPS

  • Die eigene Lage genau überblicken. 
  • Klare Prioritäten für die Zukunft setzen.
  • Das Datenmanagement gezielt optimieren.
  • Mit einer Smart Data Fabric zusätzliche Potenziale nutzen.

Beitragsnummer: 20606

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