Freitag, 23. September 2022

Objektbasierte Finanzierungen: Eine Schockstarre verhindern

Mittelständische Bankkunden stehen vor historischen Herausforderungen – objektbasierte Finanzierung bietet Unterstützung

Carl-Jan von der Goltz, geschäftsführender Gesellschafter, Maturus Finance

 

I. Einleitung 

Es scheint, als wäre die Corona-Krise erst der Anfang gewesen. Lieferengpässe, massive Inflationsraten, explodierte Energiekosten, ein möglicher russischer Gas-Stopp – ein Schock nach dem anderen ereilt KMU. Banken sollten ihren Firmenkunden in dieser schweren Zeit zur Seite stehen können. Externe, objektbasierte Finanzierungen helfen dabei.

 

II. Mittelstand im Krisenmodus

1. Stimmungstief durch Preisexplosion

Eine Konjunkturumfrage[1] des DIHK unter 25.000 Teilnehmern hat kürzlich ein ernüchterndes Stimmungsbild der hiesigen Unternehmenslandschaft gezeichnet. Angesichts der aktuellen Krise haben sich die Geschäftserwartungen der Unternehmen massiv abgekühlt: In der Industrie etwa erwarten 37 % der Befragten in den nächsten zwölf Monaten schlechtere Geschäfte. Einen solchen Stimmungseinbruch hatte es den Autoren zufolge zuletzt während der Finanzkrise 2008 und 2009 sowie dem ersten Corona-Lockdown gegeben. Unabhängig von Branche oder Region sehen 78 % der Betriebe dabei die Energie- und Rohstoffpreise als eines der massivsten Geschäftsrisikos. Wird der Blick spezifischer, tun sich noch größere Verwerfungen auf. So macht die Preisexplosion beispielsweise in der Industrie 93 % der Unternehmen zu schaffen. Eingetrübte Erwartungen verwundern bei einer durchschnittlichen Inflationsrate von 6,8 %, wie sie das ifo-Institut[2] für 2022 erwartet, kaum. Das ist immerhin der höchste Wert seit 1974.

Gerade auch im Bereich Energie sind die Kostenanstiege historisch in einem negativen Sinn. Die Energiepreise waren laut statistischem Bundesamt[3] im Juni 2022 über 86 % höher als im Vorjahresmonat; Erdgas allein kostete über 141 % mehr als im Juni 2021. Insgesamt stiegen die Erzeugerpreise auf einen Wert, der 32,7 % über dem des Vorjahresmonats lag – eine der höchsten Steigerungen seit Beginn der Erhebung 1949. Vor allem der Ukraine-Krieg hat diese Entwicklung maßgeblich verursacht und sorgt auch weiterhin für große Verunsicherung.

 

2. Gas-Stopp – Einstellen auf das Extremszenario

Sollte Russland seine Gaslieferung in nächster Zeit stoppen, würde sich die Gesamtsituation nochmals drastisch zuspitzen. Wie sich ein Ende der Lieferungen konkret auswirken würde, darüber gehen die Ansichten auseinander: Laut einer Prognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK)[4] würde ein Stopp der Energielieferung das Bruttoinlandsprodukt 2022 um sechs Prozent einbrechen lassen. Etwas weniger pessimistisch ist die Auffassung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), nach der die hiesige Wirtschaft durch Gasimporte aus anderen Ländern und gleichzeitige Energieeinsparungen die Versorgungssicherheit zumindest für den kommenden Winter gewährleisten könnte. Doch gäbe es auch nach diesem Szenario[5] langfristige Auswirkungen auf das deutsche BIP. Es käme zu einer Rezession über einen Zeitraum von zehn Jahren. Ihren Höhepunkt würde sie in 18 Monaten mit einem BIP-Rückgang von drei Prozent erreichen. Der Importstopp ließe die Inflation zugleich um bis zu 2,3 weitere Prozentpunkte ansteigen. Hinzu kämen hohe Kosten für die Unternehmen durch das Ersetzen der russischen Energieträger. Laut DIW stünden diese Investitionen jedoch durch die Energiewende ohnehin an, würden lediglich vorgezogen. Für Unternehmen ist es entscheidend, sich auch auf mögliche Extremszenarien wie einen Gas-Stopp einzustellen und sich unterschiedliche Zugänge zu Liquidität zu schaffen. Die Energiesituation ist allerdings nicht die letzte der aktuellen Herausforderungen.

 

3. Lieferengpässe reißen nicht ab

Das ifo-Institut hat ermittelt, dass der Materialmangel in der deutschen Industrie noch mindestens zehn Monate andauern wird[6]; im Einzelhandel rechnen Unternehmen mit annähernd einem weiteren Jahr an Lieferproblemen[7]. Über fast alle Branchen hinweg leiden Firmen unter den Engpässen bei Vorprodukten und Rohstoffen. Die Lieferketten sind nach wie vor durch die Corona-Pandemie zerrüttet. Gerade die Staus und Ausfälle in der internationalen Containerschifffahrt machen den Import dringend benötigter Güter schwierig.

Ein mutmaßlicher Lieferstopp bei russischem Gas könnte auch die Lage bei den Vorprodukten weiter eskalieren lassen. Denn: Wenn die Produktion in Schlüsselindustrien wie beispielsweise der Chemiebranche, der Metallerzeugung oder der Papierindustrie heruntergefahren oder gar gestoppt werden müsste, fehlten wiederum Vorprodukte für angegliederte Branchen. Stark betroffen wäre auch die mittelständische Zulieferindustrie, die bei einer Drosselung der Produktion um essenzielle Aufträge ihrer Großabnehmer bangen müsste. Angesichts dieser Aussichten und der fortwährenden Schocks agieren viele Unternehmen entsprechend vorsichtig, fürchten sich vor einer drohenden finanziellen Schieflage. 

 

4. Insolvenzen – Trendwende immer wahrscheinlicher

Einer Creditreform-Analyse[8] zufolge waren die Insolvenzen auch im ersten Halbjahr 2022 insgesamt historisch niedrig. Dies sollte allerdings nicht als Zeichen der Entspannung gedeutet werden. Denn die Experten der Creditreform Wirtschaftsforschung haben in bestimmten Bereichen erhebliche Verwerfungen ausgemacht. So gab es im ersten Halbjahr 2022 einen deutlichen Anstieg der Insolvenzen im verarbeitenden Gewerbe: Hier lagen die Verfahren um fast 15 % über denen des Vorjahres. Noch stärker ist der Anstieg im Bausektor. Über 19 % mehr Insolvenzen als 2021 wurden in diesem verzeichnet. Das sind wahrscheinlich die Anzeichen einer Trendwende: In den letzten beiden Corona-Jahren waren eher Dienstleister, Händler oder Veranstalter betroffen. Nun werden voraussichtlich immer mehr energie- und materialintensive Geschäftsmodelle in Herausforderungen geraten. 

Die Creditreform-Experten sehen die konjunkturellen Rahmenbedingungen durch Ukraine-Krieg, Inflation und die von der EZB eingeleitete Zinswende deutlich verschlechtert. Dies dürfte nicht ohne Folgen für die Insolvenzentwicklung bleiben. Andere Beobachter werden noch deutlicher: Laut der Deloitte Distressed M&A-Studie 2022[9] erwarten die befragten Experten einen signifikanten Anstieg der Insolvenzen ab dem dritten Quartal dieses Jahres. Die derzeitige Inflation ist nach Ansicht von 78 % der Befragten dabei mit Abstand das größte Risiko für die Unternehmen. Sorgen vor einer potenziellen Schieflage dürfen allerdings nicht zum Stillstand in der Firmenentwicklung führen.

 

5. Der Wandel pausiert nicht

Die eingangs erwähnte Umfrage des DIHK hat auch gezeigt, dass Unternehmen aufgrund der angespannten Lage vermehrt auf Investitionen verzichten. Trotz aller momentanen Widrigkeiten müssen KMU ihre Geschäftsmodelle aber mittelfristig anpassen, neue Produkte und Leistungen entwickeln und innovativ sein. Sonst kann es passieren, dass sie bereits in wenigen Jahren ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren. Der Strukturwandel durchzieht fast alle Branchen und hat durch die Corona-Pandemie noch weiter an Auftrieb bekommen. Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom[10] gaben 94 % der befragten Unternehmen an, dass der digitale Wandel durch die Pandemie weiter an Bedeutung gewonnen hat. Zwei Drittel gehen sogar davon aus, dass digitale Geschäftsmodelle in fünf Jahren von sehr großer Bedeutung oder gar entscheidend für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg sein werden. Zugleich erwarten 95 % allerdings auch, dass Störungen in den Lieferketten ihre Digitalisierung bremsen werden. Ähnliches befürchten 92 % der Befragten durch die hohe Inflationsrate und 78 % durch die steigenden Energiekosten.

Damit Betriebe hier nicht den Anschluss verlieren, braucht es Liquidität. Vergessen werden darf dabei auch nicht das Lösungspotenzial, das in neuen technologischen Ansätzen steckt. Die Entwicklung hin zu mehr Automatisierung, zu einer Industrie 4.0 sowie gesteigerter Effizienz und Kreislaufwirtschaft bietet oft nachhaltige Antworten auf die aktuellen Fragen der Energie- und Materialkrise. Erneuerbare Energien und Effizienztechnologien etwa werden Rohstoffe wie Erdgas langfristig ersetzten müssen. Die Finanzierung indes ist in den meisten Fällen alles andere als gesichert. Schließlich stehen auch die gewohnten Bankpartner der KMU unter Druck und müssen sich auf fortwährende Unsicherheiten einstellen.

 

III. Banken: Risikopotenziale vs. Kundenbindung

1. Die Lage zwingt zur Vorsicht

Unternehmen einiger Branchen leiden laut der DIHK-Umfrage zunehmend an Finanzproblemen. In der Metallerzeugung und -bearbeitung sind es beispielsweise 41 % der Firmen – sechs Prozentpunkte mehr als zum Jahresbeginn. In der Logistik sind sogar 52 % der Betriebe von finanziellen Sorgen betroffen – ein Plus von zehn Prozentpunkten seit Anfang 2022. Verständlich, dass sich Bankhäuser angesichts dieser komplexen Marktsituation restriktiver Verhalten müssen. Dies zeigt auch die KfW-ifo-Kredithürde aus dem Juli[11]. Demnach berichten fast 21 % der KMU, die sich in Verhandlungen mit der Bank befinden, von erschwertem Kreditzugang. Das ist ein Anstieg von über drei Prozentpunkten seit der letzten Befragung. Zugleich hat sich der Bedarf an Krediten weiter gesteigert. Laut der Studienmachenden dürfte der Anstieg zuletzt maßgeblich auf den Ukraine-Krieg, die abflauende Konjunktur und die hohen Inflationsraten zurückzuführen sein, die den kurzfristigen Finanzierungsbedarf deutlich erhöht hätten. Allerdings ist der mittelständische Kreditzugang genau durch diese Unsicherheiten zugleich gefährdet: Sollte die Kredithürde weiter steigen, können durch den unzureichenden Finanzierungszugang Investitionsvorhaben infrage stehen.

Auch der aktuelle Bank Lending Survey[12] für Deutschland zeigt eine Verschärfung der Kreditbedingungen aufgrund der gestiegenen Risiken. Im Unternehmensgeschäft sei dieses vor allem auf branchen- und firmenspezifische Faktoren zurückzuführen. Hinzu kämen die von den Banken als verschlechtert eingeschätzte allgemeine Wirtschaftslage und die getrübten Konjunkturaussichten. Zudem wird von den befragten Kreditinstituten eine verschlechterte Refinanzierungssituation beschrieben. Die Lage wird sich in den nächsten Monaten kaum entspannen. Deshalb reagieren die Kreditinstitute: Laut Bank Lending Survey planen sie, ihre Kreditrichtlinien und -bedingungen in der zweiten Jahreshälfte weiter zu verschärfen.

 

2. Komplexe Zeiten erfordern Spezialisten

Die aktuelle Entwicklung am Finanzierungsmarkt erhöht die Herausforderungen der KMU weiter, die Liquidität zur Kompensation der gestiegenen Preise, zur Überbrückung von Umsatzflauten oder zur Erweiterung ihrer Lagerhaltung benötigen. Eine kritische Situation auch für die Banken: Durch vermehrte Kreditablehnungen stehen langjährige Beziehungen zu den Unternehmenskunden auf dem Spiel. Da sich die Unsicherheiten und Inflationsraten auf absehbare Zeit kaum verringern werden, benötigen beide – KMU wie Banken – anlassbezogene Alternativlösungen. Diese liegen heute immer häufiger in der Opportunity Finance. Spezialisierte Anbieter halten hier vielmals unterstützende Ansätze bereit.

Steht die Branche eines Unternehmens derzeit unter Anspannung oder hat die Firma selbst ein komplexes Risikoprofil, muss eine Anfrage nicht von vornherein abgelehnt werden. Die Bank kann das KMU stattdessen an einen Partner der assetbasierten Finanzierung vermitteln. Denn bei diesen Ansätzen liegt das Hauptaugenmerk nicht auf Bonität und möglichen Risiken, sondern auf dem werthaltigen Anlage- und Umlaufvermögen eines Unternehmens.

 

3. Externe Lösung über assetbasierte Ansätze 

Als Bank auf alternative Kooperationsansätze zurückzugreifen ist eine pragmatische Lösung und Zeichen für einen Wandel sowie die zunehmende Diversifizierung im Finanzierungssektor. Objektbasierte Modelle bieten in der aktuellen Zeit flexible und schnelle Entlastungsangebote, damit sich Banken auf die mittel- bis langfristigen Lösungen für ihre Kunden konzentrieren können.

Ein KMU erhält durch eine assetbasierte Finanzierung die nötigen Mittel, um sein Tagesgeschäft und sein Bestehen zu sichern oder seine Weiterentwicklung auch unter erschwerten Bedingungen voranzubringen. Die Bank betreut ihren Kunden derweil wie gewohnt weiter. Durch die Zusammenarbeit mit einem alternativen Finanzierer erweitert ein Kreditinstitut seine Möglichkeiten sowie seine Attraktivität als Lösungsanbieter und sichert sich durch potenzielle Provisionen eine zusätzliche Einnahmequelle – ohne seine eigene Bilanz zu belasten. In der derzeit unsicheren Lage zwischen Inflation, Krieg und schwächelnder Konjunktur bieten gerade objektbasierte Modelle wie Sale & Lease Back und Asset Based Credit Lösungspotenzial.

 

IV. Objektbasierte Finanzierung über Sale & Lease Back

1. Gebrauchte Maschinenparks sichern Liquidität

Verarbeitende und produzierende KMU zahlreicher Branchen können mithilfe von Sale & Lease Back (SLB) Liquidität durch reine Innenfinanzierung erzeugen. Dazu verkaufen sie werthaltiges Anlagevermögen wie Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrparks und leasen es vom kaufenden Finanzierungspartner direkt wieder zurück. So stehen frische Mittel bereit und helfen den Firmen, zeitnah zu reagieren. Das operative Tagesgeschäft wird durch SLB nicht beeinflusst, da die vom Betrieb benötigten Assets umgehend wieder zurückgemietet werden und ihren Einsatzort nicht verlassen müssen. Von den regulären Umsatzgrößen her ist das Finanzierungsmodell für Unternehmen mit Umsätzen zwischen fünf und 250 Mio. Euro im Jahr geeignet. Das Finanzierungsvolumen liegt in der Regel zwischen 400.000 und 15 Mio. Euro – in einzelnen Fällen ist es auch höher. Die Finanzierung über Sale & Lease Back ist für Unternehmen vor allem auch bei angespannter Finanzlage oder unter wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen ein wirkungsvoller Hebel.

 

2. Finanzierungsmittel der Stunde 

Da aktuell ein exogener Schock auf den nächsten folgt, müssen Unternehmen agil und flexibel sein. Die Situation kann sich tagtäglich verändern, es muss permanent auf neue Rahmenbedingungen eingegangen werden: Ein kurzfristig gefallener Preis im Einkauf muss mitgenommen werden; ein rettender Großauftrag soll trotz des gestiegenen Vorleistungsaufwands ins Haus geholt werden; der Gasvorrat muss für die nächsten Monate dringend aufgestockt werden. Lässt ein KMU hier zu viel Zeit verstreichen, können sich Situation und Voraussetzungen bereits wieder gewandelt haben – derzeit selten zum Besseren. Entsprechend zeitnah muss eine Aussage bezüglich der benötigten Finanzierung vorliegen. Da Sale & Lease Back einen kurzen Finanzierungsprozess aufweist, ist es ein angemessener Ansatz für herausfordernde Zeiten. In der Regel dauert es von der ersten Anfrage bis zur finalen Auszahlung des Kaufpreises drei bis sechs Wochen. Aufgrund dieser Eigenschaft ist die Finanzierung auch dann einsetzbar, wenn sich die Lage eines Unternehmens zuspitzt und eine Restrukturierung, Sanierung oder Insolvenz unausweichlich wird. Hier müssen Lösungen meist unter hohem Zeitdruck gefunden werden.

 

3. Maschinen sollten werthaltig, zahlreich und mobil sein 

Da die Bonität bei Sale & Lease Back nur eine geringe Rolle spielt, liegt der Fokus auf den Vermögensgegenständen eines KMU. Die jeweiligen Assets müssen werthaltig und sekundärmarktfähig sein. Der Finanzierer sollte die gebrauchten Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge im Bedarfsfall weiterverkaufen können. Daneben müssen die Assets vor allem zahlreich und fungibel sein – es sollte ein ganzer Maschinen- oder Fuhrpark vorliegen, der aus einer Reihe marktgängiger und einzeln austauschbarer Objekte besteht. Sonder- und Einzelanfertigungen sowie Prototypen sind für eine SLB-Finanzierung nicht geeignet. Zudem benötigen auch größere Anlagen eine gewisse Mobilität. Maschinen, die nur vor Ort betrieben werden können, sind mit SLB nicht kompatibel. Für eine erste Tauglichkeits- und Wertermittlung sowie ein indikatives Angebot wird in der Regel eine Schreibtischbewertung der jeweiligen Maschinen oder der Leasing- und Anlagenspiegel des Unternehmens benötigt. Später im Finanzierungsprozess erfolgt eine Besichtigung vor Ort, bei der ein unabhängiges Zeitwertgutachten erstellt wird. 

 

4. Modell mit Hebelwirkung

Als reine Innenfinanzierung erhöht Sale & Lease Back die Eigenkapitalquote eines Unternehmenskunden – meist ein wichtiges Signal für den jeweiligen Bankpartner. Schließlich verbessert sich durch das höhere Eigenkapital oft auch die Bonität im internen Rating. So kann SLB zum Hebel für zusätzliche Darlehen werden und Bank und Firmenkunde wieder ins Geschäft miteinander bringen. Sind die jeweiligen Maschinen oder Anlagen in der Unternehmensbilanz bereits größtenteils abgeschrieben, ergibt sich zudem oft ein außerordentlicher Ertrag, der das wirtschaftliche Eigenkapital weiter stärkt. Die Finanzierungskosten eines Sale & Lease Back sind für KMU dabei gut planbar – die Leasingraten sind als Betriebsausgaben sogar teilweise steuerlich absetzbar.

 

V. Finanzierung über Asset Based Credit

1. Die gesamte Besicherungsbandbreite ausschöpfen

Nicht nur mobiles Anlagevermögen verschafft einen Zugang zur Asset Based Finance, auch Wirtschaftsgüter aus dem Umlaufvermögen tun dies. Das entsprechende Modell heißt Asset Based Credit und ist eine Lösung für zahlreiche KMU – vom Industriebetrieb über den Händler und Dienstleister bis hin zum Start-up. Für Banken ist es in der Regel schwierig, mobiles Anlage- oder gar Umlaufvermögen zu besichern. Ist ein Unternehmenskunde inhouse daher nicht zu bedienen, kann sich die Bank auch hier an einen Anbieter der objektbasierten Finanzierung wenden. Denn: Im Rahmen eines Asset Based Credits können Firmenkunden Maschinen und Anlagen, ihr Waren- und Rohstofflager sowie Sachwerte oder Immobilien als Kreditsicherheiten einsetzen. 

 

2. Anlassbezogen finanzieren

Asset Based Credit bietet eine Lösung zur Überbrückung von Umsatzflauten oder zur Abmilderung der derzeitigen Kriseneffekte. Damit können beispielsweise verteuerte Energieeinkäufe gestemmt oder die Lagerbestände zum Abfedern von Lieferengpässen ausgebaut werden. Ähnlich wie Sale & Lease Back unterstützt auch dieses Modell bei Umstrukturierungen oder Sanierungsmaßnahmen – gerichtlich wie außergerichtlich. Auftragsvorfinanzierungen nach einer internen Krise oder die Ablösung anderer Finanzierungen sind mithilfe des Ansatzes genauso möglich. Investitionen in neue Technologien, Prozesse und Angebote, die Auszahlung von Alt-Gesellschaftern oder die Zwischenfinanzierung von Unternehmenstransaktionen gehören ebenfalls zu den Anwendungsgebieten. Die beleihbaren Summen liegen zwischen 250.000 und fünf Mio. Euro.

 

3. Life-Cycle-Financing für KMU

Ein Asset Based Credit kommt in den unterschiedlichsten Lebensphasen eines Unternehmens zum Tragen. Bereits eine junge, wachsende Firma kann sich damit noch vor Erreichen der Gewinnschwelle erstes Fremdkapital sichern, um den Betrieb zu finanzieren oder ihr Geschäftsmodell zu skalieren. Solche Start-up-Unternehmen sind als Innovatoren heute gefragter denn je – sei es, um die Digitalisierung voranzubringen oder Lösungen zur Energiewende zu entwickeln. Dennoch finden junge Firmen aufgrund ihrer Risikostruktur oft nur schwer Zugang zu Fremdkapital. Banken sind durch ihre Vorgaben und des potenziellen Risikos wegen die Hände gebunden, selbst dann, wenn sie das Potenzial für eine mögliche künftige Zusammenarbeit mit einem Jung-Unternehmen sehen. Die Vermittlung an einen objektbasierten Partner bringt hier nicht nur der Firma, sondern auch dem Kredithaus Vorteile – es könnte bei der Lösung helfen und hält den Kontakt für eine spätere direkte Zusammenarbeit.

Auch Nachfolgen werden für KMU zunehmend problematisch. Es mangelt häufig nicht nur an familieninternen Übernehmerinnen oder Übernehmern, sondern auch an der entsprechenden Finanzierung externer Übernahmen. Hier kann Asset Based Credit ein Baustein und damit ein Schlüssel zur Lösung sein. 

Wie gesehen, werden auch die notleidenden Fälle künftig zunehmen. Objektbasierte Kredite bewahren allerdings die Handlungsfähigkeit von Firmenkunden in Sondersituationen – egal, ob Restrukturierung, Sanierung oder Massekredit in der Insolvenz. Ein Asset Based Credit bietet Unternehmen mit entsprechenden Vermögenswerten einen schnellen Ansatz, unabhängig ihres aktuellen wirtschaftlichen Zustandes. Das verschafft Firmenkunden und ihren Bankpartnern Zeit, um an nachhaltigen Lösungen zu arbeiten.

 

4. Wertbeständig und sekundärmarktfähig: Die Assets

Die Bonität eines KMU spielt bei diesen Spezialkrediten nur eine untergeordnete Rolle. Damit Asset Based Credit jedoch greifen kann, müssen die Vermögensgegenstände eines Betriebs zentrale Kriterien erfüllen. Bei Umlaufvermögen etwa darf es sich nicht um unfertige Produkte oder verderbliche Waren handeln. Hier müssen werthaltige und zweitmarktfähige Erzeugnisse und Rohstoffe vorliegen. Soll Anlagevermögen zur Besicherung dienen, muss es wertbeständig, mobil und fungibel sein. Die Tauglichkeit der Assets wird vom Finanzierungspartner geprüft: Er analysiert den aktuellen Warenbestand und betrachtet den Warenumschlag der letzten Monate. Bei mobilem Anlagevermögen sowie Immobilien sind in der Regel Sachverständigengutachten zum Zeit- bzw. Verkehrswert erforderlich.

 

PRAXISTIPPS

  • Unternehmen, Branchen und Märkte sind verunsichert – Kreditgeber müssen vorsichtig agieren.
  • Stellt ein Unternehmenskunde oder seine Branche ein zu hohes Risiko dar, können Banken an objektbasierte Partner vermitteln.
  • Das erhält die Kundenbeziehung und erschließt zusätzliche Einnahmequellen sowie Synergien.
  • Mittelständlern mit Maschinen-, Anlagen- oder Fuhrpark kann Sale & Lease Back empfohlen werden.
  • KMU-Kunden mit Sicherheiten in Form von Anlage- und Umlaufvermögen steht ein Asset Based Credit offen.



[1] https://www.dihk.de/de/themen-und-positionen/wirtschaftspolitik/konjunktur-und-wachstum/konjunkturumfrage-fruehsommer-2022/geschaeftserwartungen-der-deutschen-unternehmen-brechen-massiv-ein--71398

[2] https://www.ifo.de/pressemitteilung/2022-06-15/russischer-angriff-daempft-wirtschaftliche-erholung-deutschland

[3] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/07/PD22_309_61241.html#:~:text=WIESBADEN%20%E2%80%93%20Die%20Erzeugerpreise%20gewerblicher%20Produkte,%2B33%2C5%20%25%20gelegen

[4] https://www.imk-boeckler.de/fpdf/HBS-008284/p_imk_report_174_2022.pdf

[5] https://www.diw.de/de/diw_01.c.837973.de/publikationen/diw_aktuell/2022_0080/stopp_russischer_energieeinfuhren_wuerde_deutsche_wirtschaft_spuerbar_treffen__fiskalpolitik_waere_in_der_verantwortung.html

[6] https://www.ifo.de/pressemitteilung/2022-06-29/unternehmen-erwarten-materialknappheit-bis-2023

[7] https://www.ifo.de/pressemitteilung/2022-07-06/einzelhaendler-befuerchten-lieferprobleme-bis-mitte-2023

[8] https://www.creditreform.de/aktuelles-wissen/pressemeldungen-fachbeitraege/news-details/show/insolvenzen-in-deutschland-1-halbjahr-2022

[9] https://www2.deloitte.com/de/de/pages/presse/contents/Distressed-M-und-A-Studie.html

[10] https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Daempfer-Digitalisierung-Weltlage-bremst-digitale-Transformation-Wirtschaft

[11] https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_719168.html

[12] Quelle: https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/juli-ergebnisse-der-umfrage-zum-kreditgeschaeft-bank-lending-survey-in-deutschland-836810


Beitragsnummer: 18396

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